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Vorbereitung für die Stunde X sowie Hilfreiche Adressen und Links

· 5 Minuten Lesezeit
Reinhard Köller

Gesundheitsfragen gehören „mitten ins Leben" und begleiten uns lebenslang. Mit unserer Geburt werden wir Mitglied einer Krankenkasse bzw. in einer „Gesundheitskasse" mitversichert. Vorsorgeuntersuchungen in regelmäßigen Abständen und verschiedene Aspekte der Gesundheitsförderung begleiten uns durch die Kleinkind- Schul- und weitere Ausbildungsphase. In der Lebensmitte werden Eltern gerne noch von ihren erwachsenen Kindern zu Gesundheitsfragen um Rat gebeten. Und zugleich wächst die Sorge und das Kümmern um die eigenen Eltern im Seniorenalter. Gerade in diesem Abschnitt der Generationenfolge, der „betriebsamen" Lebensmitte, wird die Reflektion des eigenen gesundheitlichen „Werdeganges", meiner sozialen Einbettung und der individuellen Gesundheitsfürsorge zunehmend wichtiger.

Notfall zur Stunde X: Wie gut bin ich und meine Angehörigen / Freunde auf eine plötzliche Einweisung in ein Krankenhaus vorbereitet? Seien wir ehrlich: Die elektronische Speicherung aller relevanten Gesundheitsdaten auf einem kleinen Chip, den jeder autorisierte Hilfeleistende zu jeder Zeit einsehen kann, ist zumindest als verlässlich funktionierende Informationsquelle derzeit (2022) eher eine Utopie als greifbare Realität in allernächster Zukunft...! Also bleiben wir bis dahin analog:

Gesundheitsmappe: Wo sind die wichtigsten gesundheitlichen Daten aus den letzten Jahren abgelegt? Ein kurzer Abriss wesentlicher Erkrankungen und Operationen, die ich durchgemacht habe. Medizinische Besonderheiten wie Allergien, Unverträglichkeiten kurz notiert. Der aktueller Plan regelmäßiger Medikamenten- und Vitalstoff Einnahmen gehört ebenfalls dazu. Maximal 10 Seiten, die an einer prägnanten Stelle hinterlegt sind (kennt diesen Ort auch mein direktes soziales Umfeld?!)

Immer bei mir in meinem Portemonnaie oder Handy oder Brieftasche: Adresse und Telefonnummer des von mir Bevollmächtigten gemäß meiner Vorsorgevollmacht oder zweier bzw. dreier Vertrauenspersonen, die gut erreichbar sind.

Wie will ich einmal alt werden? Mit welchen gesundheitlichen Schwächen und Risiken bin ich konfrontiert? Was unternehme ich zur Stabilisierung meiner Gesundheit? Was hilft mir zur Teilhabe am Leben auch mit gesundheitlichen Einschränkungen? Wie steht es um mein soziales Umfeld, verlässliche Beziehungen, wie gut bin ich und meine engsten Freunde / Angehörigen vorbereitet, wenn mir plötzlich etwas zustoßen sollte, ich unerwartet schwerer erkranke und ich auf Hilfe verschiedenster Art angewiesen bin?

Es ist gut und wichtig, sich lieber heute als morgen mit einigen wesentlichen Themen zu befassen, Entscheidungen zu treffen und Antworten auf wenige Grundfragen zu finden.

Das meine ich so, wie ich es gesagt habe: Lieber heute diese kleinen Aufgaben anpacken und erledigen als perfekte Entscheidungen anzustreben, die auf der Strecke bleiben, oder?

  1. Eine Patientenverfügung erstellen
  2. Eine Vorsorgevollmacht zu formulieren
  3. Eine Gesundheitsmappe zusammenstellen
  4. Adresse und Telefonnummer von Kontaktpersonen in die Geldbörse legen und Kennzeichnung (Notfall-Kontakt) im Handy / Kontaktverzeichnis

Für „Willensäußerungen" in Grenzsituationen der eigenen Gesundheit in einer Patientenverfügung gibt es sehr gute vorformulierte Texte und Hilfen, die es mir leicht machen, meine eigene Position zu finden und für andere verfügbar zu machen.

Vorgehen: Es ist hilfreich, sich zunächst die Texte auszudrucken, zu lesen und mit Notizen / Fragen am Rand oder zwischen den Zeilen zu beleben.

Tauschen Sie sich anschließend mit wenigen Personen Ihres Vertrauens darüber aus, was Sie zu den genannten Lebensfragen -- insbesondere an der Grenze vom Leben zum Sterben - denken und fühlen. Lassen Sie Ihre Sicht reifen, aber nicht „überreif" werden:

Es besteht ja jederzeit die Möglichkeit, eine frühere Version an meine Entwicklung anzupassen und mit aktuellem Datum zu versehen. Oder ggf. eine alte Version für ungültig und eine neue Version meiner Patientenverfügung zu erstellen. Wenn ich in diesem Prozess fortgeschritten bin, ist es gut, auch zur Frage der Organspende eine Position zu finden. Für eine Patientenverfügung und eine Vorsorgevollmacht brauchen Sie nicht unbedingt einen Notar.

In der Vorsorgevollmacht benenne ich eine oder zwei Personen, die mein volles Vertrauen genießen und denen ich zutraue, die in der in der Patientenverfügung festgelegten Behandlungswünsche gegenüber Ärzten und anderen Institutionen des Gesundheitswesens „durchzusetzen" -- in den Fällen, in denen ich selber dazu nicht mehr in der Lage bin oder mir Unterstützung wünsche.

Durch eine erweiterte Vorsorgevollmacht kann ich die benannte Person bevollmächtigen, für mich auch geschäftliche Entscheidungen zu treffen, zu denen ich selber nicht mehr fähig bin. Das kann neben gesundheitlichen Fragen Belange des Wohnortes / der Unterbringung, finanzielle Belange und andere behördlichen Aspekte betreffen.

Adressen / Links, über die ich im Internet gute Informationen und Textvorlagen finde, aber auch persönliche Beratung / Orientierung im Dschungel unseres komplexen Gesundheitssystems finde:

1. Links zur Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht:

2. Hilfreiche Adressen zur persönlichen Beratung / Orientierung im „Dschungel" unseres komplexen Gesundheits- und Sozial- und Rentensystems finde:

Service / Hotline Ihrer persönlichen Krankenkasse können Sie Ihren Unterlagen entnehmen, die Sie regelmäßig per Post von Ihrer Kasse erhalten oder im Internet „googeln"

3. Kirchlich Soziale Dienste wie Diakonie und Caritas:

4. Telefonseelsorge

Wenn ich in einem persönlichen Konflikt scheinbar keinen Ausweg mehr sehe und keinen (befreundeten oder verwandten) Menschen, an den ich mich mit meiner Not wenden könnte:

Telefonseelsorge (anonym und verschwiegen, kompetent und kostenfrei): 0800.1110111 oder 0800.1110222