Naturheilverfahren, autoregulative Medizin, Alternative Heilverfahren, Komplementärmedizin und einige persönliche Statements...

der Begriffe gibt es viele. Sie alle wollen ein größeres oder kleineres Pool an Therapieverfahren beschreiben, die sich abgrenzen lassen von der sogenannten "Hochschulmedizin". Hochschulmedizin, so kann man knapp definieren, ist die Medizin, die an unseren universitären Hochschulen gelehrt wird. Seit der sog. "Aufklärung" ist diese Medizin geprägt von einem (natur-)wissenschaftlichen und humanistischem Einfluss. Einer der bekanntesten geistigen Väter dieser Medizinrichtung ist Prof. Rudolf Virchow (1821 – 1902). Natürlich hat die Schulmedizin auch weit ältere Wurzeln in der arabischen oder griechischen Medizintradition.

Sog. Alternative Heilverfahren ("alternatus" = von anderer Geburt) sind zunächst weit weniger systematisierbar. Es scheint, als könnte und würde darunter alles subsummiert, was eben keine "Hochschulmedizin" ist. Die einen nennen unter dieser Überschrift die Jahrtausende alte traditionelle chinesische Medizin, andere nennen das von Dr. Samuel Hahnemann (1755 - 1843) im 18. Jahrhundert begründete Therapieverfahren der Homöopathie oder die in der Romantik wieder modern erlebten naturnahen Therapieverfahren und wieder andere nennen beispielsweise die Cranio-Sacrale Therapie, die 1971 von Dr. John Upledger begründet wurde und als junges Therapieverfahren gelten darf. Ich habe nur ganz wenige Beispiele aufgezählt. Eigentlich müsste ich jetzt noch hunderte, vielleicht tausende von Therapien aufzählen, die im Laufe der Menschheit Geschichte geschrieben haben. Verfahren, die von der Schulmedizin nicht anerkannt werden.

Damit bin ich bei einem wichtigen Punkt angekommen: Dem Streit zwischen der Hochschulmedizin und den regulativen Therapieverfahren (meine Entscheidung, bestimmte "alternative" Therapieverfahren mit diesem Wort zusammenzufassen, werde ich unten noch ein wenig näher erläutern)! Der Vorwürfe der einen gegen die anderen und umgekehrt sind viele. Aber ich will sie gar nicht auflisten, sondern bekenne mich direkt zu folgendem Standpunkt: Wir brauchen beides, und beide Medizinrichtungen befruchten sich gegenseitig (zumindest gibt es viele gute Gründe für ein konstruktives Miteinander, aber keinen soliden Grund für ein "Gegeneinander"...):

Die Hochschulmedizin hat ihre Stärken sicher in der sog. "Akutmedizin" – der Bewältigung akuter gesundheitlicher Störungen und Krisen. Die großen Errungenschaften in der Medizin setzen schwerpunktmäßig hier an: Siehe die Erfolge der Chirurgie und Narkosemedizin, der Geburtsheilkunde oder der Medizin gegen Infektionskrankheiten. Die Regulativmedizin hat ihre Stärken in der Behandlung von chronischen Störungen, von langwierigen Krankheiten. Sie befasst sich weniger von der einzelnen Zelle oder vom einzelnen Organ ausgehend mit Einflüssen, die eben diese Zellen oder dieses Organ krank machen. Vielmehr befasst sie sich mit dem gesamten Organismus, mit seinen (selbst-)regulierenden Systemen in der Auseinandersetzung mit der "Innenwelt", der "Umwelt" bis zur "Mitwelt" (soziale Ebene) und der "Schöpferwelt" (religiöse / transzendente Ebene).

Nochmals: Die Regulative Medizin bliebe vielleicht im Nebulösen, hätte sie nicht die analytisch forschende und bis in die kleinsten Bausteine unseres Lebens vordringende wissenschaftlich disziplinierte Schulmedizin. Die Schulmedizin würde angesichts unserer die Volksgesundheit dominierenden chronischen Erkrankungen (wie Allergien, Stoffwechselerkrankungen, Krankheiten des Bewegungsapparates ....) bis auf die erfolgreichen Akut-Interventionen womöglich mehr Schaden anrichten als Gewinn bringen. Viele Menschen suchen darum nach Alternativen, und ein Teil findet sie wirklich in dem einen oder anderen, die Selbstheilungskräfte unseres Körpers mobilisierenden Heilverfahren.

Beide Medizinrichtungen bleiben uns bis heute jedoch vieles schuldig: Die alternativen Heilverfahren haben bisher nur beschränkte Wirknachweise erbringen können (zumindest solche, die einen rational denkenden Menschen befriedigen). Und die Schulmedizin (vielleicht mehr noch große Wirtschaftslobbys wie die Pharmaindustrie...) geben uns äußerst spärliche Informationen über das Ausmaß der Schäden, die durch sie angerichtet wurden und werden (es fängt vielleicht noch relativ harmlos bei den vielen Virusinfekten an, die immer noch mit Antibiotika behandelt werden... und es beschränkt sich bei weitem nicht auf die sehr offensichtlichen Tragödien wie jenen der Contergangeschädigten Mitbürger).

Defensivkampagnen der Hochschulmedizin gegen die Naturheilverfahren gipfeln beispielsweise in den immer wieder publizierten (und in der Sache ihrer konkreten Phyto-Beispiele auch richtigen) Äußerungen, die pflanzlichen Heilmittel seien weit gefährlicher als es im Volksbewusstsein präsent sei. Oder, die regulativen Therapieverfahren seien "reine Erfahrungsmedizin". Im gleichen Atemzug behaupten sie: ...und die Schulmedizin weit ungefährlicher als gemeinhin behauptet. Solche und ähnliche Formen der Auseinandersetzung sind polemisch, unsachlich und für einen aufgeklärten Menschen peinlich. Es gibt solche Peinlichkeiten ohne Zweifel auch auf der Seite der Verfechter sog. alternativer Heilverfahren. Eine schlampige schulmedizinische Diagnostik gehört nach wie vor zu den "schweren Nebenwirkungen" der Komplementärmedizin, der Regulativmedizin. Sie kommt aber leider auch immer wieder im Alltag der Schulmedizin vor.

Trotz allem: Die evidenzbasierte Medizin ist sicher ein Ansatz, der Nüchternheit in die Köpfe allzu geblendeter Hochschulmediziner bringt und uns zeigt, wie beschränkt das im Sinne des EBM abgesicherte Medizinwissen wirklich ist.

Ich bin ein (möge es mir in konstruktiver Weise gelingen...) kritischer Anhänger der Schulmedizin und ein kritischer Anwender von ausgewählten regulativen Therapieverfahren. Ich bin – um an dieser Stelle erneut die metaphysische Ebene anzusprechen – der Überzeugung, dass eine Heilmethode bzw. ein Heilverfahren stets von seinem weltanschaulich – religiösen Hintergrund abgetrennt und auch in einem anderen Kontext angewandt werden kann. Zugleich sage ich: Es gibt keine Heilmethode, kein Heilverfahren im weltanschaulichen Niemandsland.

Die Kernfrage für das therapeutische Bündnis zwischen Arzt und Patient lautet nicht: Welche Philosophie, welche Religion hat eine Heilmethode geprägt. Sondern vielmehr: Welcher Weltanschauung, welcher Religion fühlt sich der Therapeut (also die Person, welche die Heilmethode anwendet) verbunden bzw. hat sich ihr verpflichtet. Jeder Patient, der zu mir als Therapeut kommt, hat ein Recht darauf, zu wissen: Ich persönlich glaube an den Gott, der sich uns mitgeteilt hat und uns kundgetan wurde in der Bibel, in der Person Jesus Christus und in der Geschichte mit dem von Gott auserwählten Volk, den Juden. Er stellt sich uns vor als Schöpfer, als Heilbringer, als Erlöser von Schuld und als "Auferstandener": Jesus hat den Tod überwunden – nicht vergeistigt, sondern "leibhaftig – zum anfassen" – seine engsten Vertrauten haben dies vielfältig bezeugt.

Die gelebte Beziehung zu Jesus Christus ist für mich nicht nur ein "Trost in schweren Stunden". Vielmehr gehört sie zum Zentrum meines Lebens, die mich frei macht. Frei, den Mitmenschen als eine von Gott geliebte Person zu begegnen. Frei, den Nächsten zu lieben, ohne mich an Menschen klammern zu müssen.

Und alle die Menschen als Arzt zu behandeln, die sich mir mit ihrer konkreten Not / Krankheit anvertrauen: in der Verantwortung nicht nur vor ihnen, sondern auch vor Gott. In dem Wissen meiner Begrenztheit, aber seiner (Gottes) Vollkommenheit. Mit den Werkzeugen, die mir / uns zur Verfügung stehen. Es ist mir immer wieder eine große Freude, wenn Menschen erleichtert, gebessert oder gar frei von Krankheiten, Schmerzen oder Beschwerden meine Praxis verlassen oder später entsprechendes berichten.

Die immer wieder eigene Erfahrung der Liebe, der Fürsorge und der Barmherzigkeit Gottes hilft mir, auch für jene Menschen da zu sein, die vielleicht schon lange auf eine spürbare Hilfe warten und denen es, statt besser, zunehmend schlechter geht. Manchmal ist die Erfahrung meiner Ohnmacht in solchen Situationen so groß, dass ich nur eines kann: Sie betend der Fürsorge und Hilfe Gottes anzuvertrauen. Und das größte Wunder ist vielleicht nicht die Heilung von allen Schmerzen und Leiden, sondern jenes Glück, welches ein suchender Mensch erfährt, der den größten Schatz seines Lebens gefunden hat: Ich kann es nicht besser ausdrücken als der alte Kirchenvater Augustinus (354- 430 n.Chr.), als er sagte: "Unruhig (suchend) ist unsere Seele, bis sie Ruhe findet bei Dir". Damit meinte er nicht etwa den Tod, sondern den Menschen, der Jesus Christus in seinem Herzen lieb gewonnen hat und damit weiß, dass seine unaufhörliche Suche nach Gott zur Ruhe gekommen ist.

Lieber Leser! Vielleicht haben Sie das Bedürfnis, das Gelesene einfach "sacken zu lassen". Gerne dürfen Sie mich ansprechen, Ihre Fragen loswerden oder Anliegen mitteilen: durch einen Besuch in meiner Praxis oder durch eine email, die sie nachfolgend starten können:

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